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07. Oktober 2010 Waldmünchen

Waldmünchen (ckt). Die Energiewende von unten aus angehen und den Atomausstieg wie ursprünglich geplant 2023 anpeilen – das ist die Position der Freien Wähler (FW) in dieser die Massen aufrüttelnden Frage der künftigen Energiepolitik in Deutschland. Mit der „Regionalen Energieoffensive“ und Veranstaltungen in allen Kreisen zeigen die Freien Wähler auf, wie sie sich die Sicherung der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien vorstellen und fanden mit dem kürzlich offiziell in Betrieb genommenen Biomasseheizkraftwerk in Waldmünchen ein Beispiel dafür, wie die Energiewende geschafft werden kann.

Groß war das Interesse der Bevölkerung an dieser Veranstaltung, zu dem am vergangenen Donnerstagabend der FW-Kreisvorsitzende Hans Kraus, Traitsching,  vor dem imposanten Biomasseheizkraftwerk in Waldmünchen auch MdL Dr. Karl Vetter, Cham, Dipl. Ing. (FH) Harald Hillebrand, Abensberg, und den Waldmünchener FW-Bürgermeisterkandidaten Josef Schober willkommen heißen konnte. Josef Höcherl als Chef der Waldbauernvereinigung und der Betreibergesellschaft, stellte anschließend das Waldmünchner Werk, zusammen mit seinem Stellvertreter Hans Beer und dem Stadtwerke-Chef Stefan Höcherl vor.

Zusammen mit den Stadtwerken, dem Landkreis, der WBV Waldmünchen, den Bayerischen Staatsforsten und der Fa. Taubert GmbH und Co.KG haben man viele Hürden bis zur Realisierung gemeistert. §,5 Kilometer Fernwärmeleitung sind bereits verlegt und sorgen dafür, dass aus den max. 160 cbm Hackschnitzel täglich nahezu fünf MW Fernwärmeleistung und 718 kW Strom in die Netze fließen. Bei ihrem Rundgang durch das Biomasseheizkraftwerk stellten die drei Vertreter die technische Ausstattung vor und beantworteten mit hohem Sachverstand alle Fragen der interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Anschließend trafen sich alle im Cafe-Bistro Linde am Marktplatz zu Referaten und einer ausgiebigen Diskussionsrunde. FW-Bürgermeisterkandidat Josef Schober bezeichnete das Ziel einer Energiewende als vorrangig, welches dann gelingen könne, wenn dem Bürger die Vorteile (auch finanzieller Art) vermittelt werden können. Dies werde er als Bürgermeister anstreben.

Hans Kraus belegte mit Zahlen, wie weit der Landkreis Cham bereits auf dem Weg zur Energiewende gekommen ist. Mit 17 neuen Biogasanlagen konnte 2009  die elektrische Leistung auf 10.641 kW gesteigert werden. Zusammen mit den 4344 Photovoltaikanlagen, den Windkrafträdern, mit Biomüllvergärung und Wasserkraft produziert man im Landkreis bereits 162 Mio kW, was einen Anteil von 34,3 % beim Stromverbrauch des größten  Stromversorgers in der Region entspricht. Damit könne man rund 40.000 Haushalte bereits mit erneuerbaren Energien versorgen. 

MdL Dr. Karl Vetter stellte zunächst die energiepolitische Position der Freien Wähler im Landtag vor. Auf Grund eines Beschlusses der letzten Landesdelegiertentagung in Bad Rodach habe man im Arbeitskreis Energie und Umwelt diese Regionale Energieoffensive auf den Weg gebracht. Die Freien Wähler wollen in dieser Frage eine offensive Einbindung der Bürger in die Entscheidungsfindung (z.B. bei der Standortfrage von solchen Anlagen) und das Konzept von unten nach oben entwickeln. Ohne ideologische Scheuklappen dank ihrer Unabhängigkeit von Konzerninteressen und skeptisch gegen Großstrukturen und –projekte legen sie den Schwerpunkt auf den Aufbau regionaler Strukturen und Wirtschaftskreisläufe. So sollen der Atomkonsens (Ausstieg bis 2023) aufrechterhalten bleiben und die erneuerbaren Energien und die Energieeinsparung vorbehaltlos gefördert werden. Kommunen und Bürger sollen Akteure für Klimaschutz und Energie werden und nicht die Energieriesen. „Auch wenn die Förderung der Erneuerbaren Energien Geld kosten wird (Strompreissteigerung von rund 5 %), wird man nie die Höhe der Atomsubventionen in einer Größenordnung von 180 Mrd. Euro seit 1950 erreichen“, so Dr. Vetter. Und dabei ist die Entsorgung des Atommülls noch nicht einmal geklärt, geschweige denn finanziert. Ausbau der Windenergie auf Vorrangflächen, die im Einvernehmen mit der Bevölkerung ausgewählt werden, und die energetische Sanierung der Gebäude können mit zur Versorgungssicherheit beitragen. Regionen, Kommunen und Bürger können bei einer regionalen Energieversorgung an der Wertschöpfung teilhaben durch hochwertige und nachhaltige Arbeitsplätze und Absatzmärkte und macht sie Unabhängigkeit von energiepolitischen Entscheidungen. „Die Zeit, in der Stadtwerke zu reinen Verkäufern, Verteilern und Abrechnern von fremden Konzernstrom degradiert waren, muss beendet werden“, so Vetter. Die Verbesserung des Klimaschutzes ist ein weiterer unschätzbarer Nebeneffekt. 

Dipl.Ing. (FH) Harald Hillebrand zeigte mittels einer Powerpoint-Präsentation auf, wie man mit einem Energiemix aus Biogas, Biomasse, Wasser, Wind und Sonne verbunden mit Energieeffizienz und –einsparung durch intelligente Systeme Versorgungssicherheit gewährleisten könne. „Wenn Mittelstand, Bürgergenossenschaften und Kommunen Hand in Hand arbeiten, ist die Wende möglich“, so Hillebrand. Unter frühzeitiger Einbindung der Bevölkerung müsse der Flächenbedarf dafür ermittelt und in einem Energieleitplan (mit Festlegung von Negativstandorten und unter Freihaltung von Siedlungserweiterungsflächen) eingebunden werden. Anhand konkreter Beispiele zeigte er auf, dass dies schon jetzt möglich sei. Die Politik müsse die Entscheidungszeiträume verkürzen und den frühzeitigen Konsens in den Kommunen herstellen und könne so eine ungeahnte Wertschöpfung in der Region erzielen helfen.

Die bei der Diskussion geäußerten Bedenken im Hinblick auf die Gefährdung der Nahrungsmittelversorgung durch großflächige Energieanlagen seien unbegründet, so Hillebrand. Schließlich haben riesige Brachflächen in der Vergangenheit auch nicht zu einer Gefährdung der Nahrungsmittelproduktion geführt. Ein Drittel für Nahrung, ein Drittel für Energie, ein Drittel für Tierernährung seien wohl ausreichend. Das Ganze müsse jedoch als bundesweiter Ansatz durchgeführt werden, wenn die Autarkie erreicht werden soll. Man brauche weiter intelligente Systeme (z.B. e-Mobilität mit Autos als Speicher und Energielieferant) wie sie auch auf dem Computersektor mittlerweile Realität ist. „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, wie wir sie vor 20, 30 Jahren für Computer und Handy nie vorausgesehen hätten, heute jedoch erreicht haben“, so Hillebrand im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten von Handys, Computern und Navigationssystemen.

Bilder:
396    Das Biomasseheizkraftwerk in Waldmünchen – ein Musterbeispiel für die „Regionale Energieoffensive“ der Freien Wähler
398 Josef Höcherl (li.) stellte den interessierten Teilnehmern um MdL Dr. Vetter das Waldmünchner Werk vor.
404 Hans Beer, der 2. Vorsitzende der Betreibergesellschaft, erwies sichals versierter Führer durch die Anlage.
412 FW-Bürgermeister-Kandidat Josef Schober, MdL. Dr. Karl Vetter, Dipl.Ing. (FH) Harald Hillebrand, FW-Kreisvorsitzender Hans Kraus und sein Stellvertreter Norbert Przybyla zeigten Wege für die erneuerbare Energiewende auf.